Von Koblenz fahren wir mit einen bunten Zug bis Remagen. Ab da leider Bus-SEV ins Ahrtal. Bad Neuenahr ist das Ziel, wo wir den ehemaligen Regierungsbunker besichtigen wollen. Die Fahrt klappt, und für die letzte Meile den Berg hoch gönnen wir uns ein Taxi.
Es ist noch genug Zeit vor der Führung, und vor Ort hat es praktischerweise eine kleine Museumsgastro, so trinken wir erst mal ein Gläschen Wein.
Anekdote am Rande, im Rahmen von Protesten gegen die Anlage hat sich Joseph Beuys auf einem Schild verewigt, kommentiert vom damaligen Leiter der Anlage.
Jedenfalls sehen wir nun eindrucksvoll, welcher Aufwand getrieben wurde, um die Regierung für 30 Tage nach einem Atomschlag arbeitsfähig zu halten. Der Plan der Anlage zeigt, mehrere Kilometer Ausdehnung in der Länge, noch viel mehr Kilometer an Gängen. Bad, Klo, Kontrollraum, Kommunikationstechnik, Krankenstation, ausgedehnte Lüftungsgänge, ein Fernsehstudio zur Produktion von Informationssendungen an „die da draußen“, eine Telephonzelle, um die Lieben da draußen anrufen zu können, die Lagekarte und viele taktische Zeichen, all die Dinge, die man eben zu brauchen meinte. Das Bett für den Kanzler wirkte nur bedingt gemütlich, aber das war ja auch nicht notwendig.
Natürlich war das Ding nie in Betrieb, aber es gab regelmäßig Übungen. Spannend auch, daß viele Informationen zu den Übungen auf dem regulären Weg nicht zu bekommen waren, wegen der Geheimhaltung. Doch dann kam jemand auf die Idee, schauen wir doch mal im Archiv der StaSi-Unterlagen nach. Und richtig, die andere Seite war natürlich informiert, so waren die meisten relevanten Informationen auf diesem Umweg zu bekommen, Geheimhaltung hin oder her. Diese Schautafeln rühren daher.
Übrigens wurde der Bunker bis auf den Museumsbereich entkernt und rückgebaut. Nun könnte man denken, warum der Aufwand, einfach lassen wie es ist, und gut. Doch viele der verbauten Materialien gelten heute als schädlich, wie zum Beispiel Asbest. Man wollte natürlich vermeiden, daß das Zeug irgendwann unkontrolliert freigesetzt wird. Der Blick in die nackt wirkende Röhre am Ende der Ausstellung belegt den teuren, verantwortungsbewußten Rückbau.
Nach der informativen und kurzweiligen Tour spazieren wir wieder in den Ort runter, kehren noch kurz ein, bis der Bus kommt, und zurück nach Koblenz geht es auch wieder mit dem Umstieg in den bunten Regionalverkehr in Remagen.
Zurück in Koblenz noch Abendessen in der Innenstadt, vor wir dann im Hotel auflaufen und noch über die Bar müssen.

