20170930

(260) ICE 9586 soll uns heute von Frankfurt nach Paris bringen. Die Tickets haben wir auf Bonuspunkte im Reisezentrum geholt- dort erfahre ich, es ist wegen der Zwangsreservierung schon mal prinzipiell nicht möglich, zu zweit Plätze nebeneinander zu buchen, weil dafür zwei komplett getrennte Vorgänge notwendig sind. Das hat dem RZ die Anwenderhotline bestätigt. Auch die bahn.comfort-Hotline konnte da nix machen.

Also war der Gedanke, nehmen wir halt bahn.comfort-Plätze. Aber nix da, gibts in dem blöden Zug offenbar nicht :( Das Glück im Unglück, die eine Reservierung lautet auf einen Behindertenplatz, den man offenbar nur im Doppel reservieren kann, daneben ist also frei. Dafür ist es ein Fensterplatz ohne Fenster, was für ein Murks.

Unglaublich :(

Die Abfahrt ist pünktlich, es ist einer der neuen ICE 3, BR 407. Auf deutscher Seite geht es meist relativ gemächlich zur Sache, auch Saarbrücken und Forbach werden eher gemächlich durchfahren, doch ein Stück danach legt der Tf den Hebel auf den Tisch, und fast anderthalb Stunden bohren wir mit mehr als 300 km/h durch Frankreich. Kühe, Äcker, Wald, viel mehr gibt es da nicht, die Fahrt ist fad, doch wir fressen massiv Kilometer.

Erst kurz vor Paris sieht es wieder nach Zivilisation aus. Nun ja, alles wirkt eher schäbig und heruntergekommen, aber immerhin, es gibt da Menschen.

Durch einige Trödeleien unterwegs und nochmal kurz vor Paris sind wir nicht ganz pünktlich, doch die paar Minuten seien verziehen.

“Gare de Paris – Est” ist ein großer Kopfbahnhof vom Format Leipzig oder Frankfurt, die Architektur ist schön, und wie so oft ist ein Einkaufszentrum direkt angebunden. Durch dieses geht es zur Metro – und alleine aufgrund zweier Fernverkehrszüge aus Deutschland ist der Bedarf an U-Bahn-Tickets derart immens, daß sich an allen Schaltern und Automaten die Menschenmengen stauen :( Schneller geht es am Schalter, da dort ein Mensch direkt und kompetent auf die Wünsche eingeht, während an den Automaten jeder Tourist erst mal die Funktion erkunden und verstehen muß.

Diese Metro ist so eine Sache für sich. Barrierefrei ist anders, nahezu immer sind Zu-, Um- und Ausstiege mit einem weitläufigen (!) Labyrinth von Gängen und Treppen verbunden, nur selten trifft man auf Rolltreppen, Laufbänder und Aufzüge, welche dann auch sehr oft nicht funktionieren. Das ganze System ist schmuddelig, die Gleise teilweise auf halbe Stärke des Schienenkopfes runtergefahren, die Gleislage zweifelhaft bis bedenklich, die Fahrzeuge abgeranzt, verschlissen und dreckig, und das Verfahren der Zugangssperren mit elektronischen Ticketlesern ist extrem unpraktisch und lästig. Generell sieht das Ganze nicht nach vorbeugender Wartung aus, sondern nach gezieltem Fahren bis knapp an die Verschleißgrenze ran und dabei nur das wirklich Allernötigste zu tun, um den Laden am Laufen zu halten.

Doch genau das ist der Punkt – der Laden läuft! Fahrpläne sind obsolet, man wartet eh nie länger als fünf Minuten auf den nächsten Zug, die Beschilderung ist aufs Nötigste reduziert aber stimmig, die Menschen rücken zusammen, daß auch jeder Platz findet, und irgendwie haben sich alle so arrangiert, daß es erschreckend gut funktioniert. Eine komplett andere Art, ÖPNV zu machen, aber mit der französischen Mentalität ist das offenbar mehr als kompatibel. Beeindruckend!

Nachdem uns die Metro fast beim Hotel um die Ecke ausgespuckt hat, richten wir uns erst einmal in unserem Zimmer ein. 7. Stock, zwei Balkone, ordentliche Aussicht.

Ein Essen in einer kleinen Eckgaststätte, und wieder mit der Metro in die Stadt. In einer lustigen kleinen Standseilbahn (in der soagr unser ÖPNV-Ticket gilt) fahren wir hoch zur Basilika Sacré-Cœur de Montmartre. Manu fängt dort jede Menge Gargoyles, und wir genießen den netten Ausblick da oben. Rein in die Basilika gehen wir nicht, da die Schlange immens lang ist.

Runter gehen wir zu Fuß durch diverse Gassen und Plätze, ist ein nettes Viertel, nur halt touristisch massiv überlaufen. Bei dieser Metrostation ist das ursprüngliche Design vieler Zugänge noch komplett erhalten. Toll! Wir genießen das herrliche Wetter und gehen zum Invalidendom.

Schwarzfahrer mag man offenbar nicht in der Metro, die Plakate sind witzig: Plakat 1 und Plakat 2.

Abends treffen wir uns noch mit Freunden in einem netten Bistrot unweit des Eiffelturms. Ein guter Ausklang des ersten Tages!

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