BahnCard 100

Die BahnCard 100  (BC100) ist eine feine Sache. Wer regelmäßig mit der Bahn fährt, hat den Punkt, ab dem sie sich lohnt, oft schneller erreicht als jemals erwartet. Und wer für sich zu rechnen beginnt, und meint, so ganz würde sie sich nicht lohnen, der sollte mal darüber nachdenken, ob nicht mit Besitz dieser Netzkarte plötzlich doch mehr mit der Bahn gefahren wird, da einfach die Karte auch ein Zugewinn an Lebensqualität durch Mobilität sein kann – und für uns definitiv ist.

Dennoch ist auch die BahnCard 100 nicht perfekt, und ich bin der Meinung, mit ein paar kleinen Anpassungen wäre die Attraktivität des Angebotes massiv steigerungsfähig. Für sehr wichtig halte ich:

– Bei den diversen online- und oflline-Systemen der DB zur Buchung und Fahrplanabfrage eine Auswahlmöglichkeit der BahnCard 100, analog zu den BC25 und BC50, um gleich den richtigen Fahrpreis auch für BC100-Besitzer ermitteln zu können. Speziell dann ist dies wichtig, wenn Verbindungen enthalten sind, die nicht aufpreisfrei mit der BahnCard100 nutzbar sind, wie nicht-DB-Unternehmen oder ausländische Verkehrsbetriebe.

– Eine komfortable, zentrale (!) und direkt zugängliche Möglichkeit, genau zu ermitteln, in welchen Verkehrsmitteln die BC100 gilt, und in welchen nicht. Ebenso die Abfrage, in welchen Verkehrsmitteln evtl. ein Rabatt durch die BC100 möglich ist.

– Ausweitung der Gültigkeit auf den gesamten Schienenverkehr (Ausnahme Museumsbahnen) und den gesamten ÖPNV Deutschlands (ggf. gesetzlich verpflichtend geregelt); als Vorstufe dazu zeitnah (!) deutliche Ausweitung der +City-Zonen auf alle Orte ab Kreisstadt sowie auf alle kreisfreien Städte. Es kann nicht angehen, daß es derzeit Landeshauptstädte (!) ohne Anerkennung der BC100 im ÖPNV gibt!

– Die Möglichkeit, für bestimmte Streckenabschnitte Übergänge in die erste Klasse als Zeitkarte zu kaufen.

– Eine Freigabe (ggf. als kostenpflichtige Zubuchoption)  der ersten Klasse im Nahverkehr (Kat. C) für Besitzer der BC100 2. Kl. unter bevorrechtigtem Sitzplatzanspruch für “echte” Nutzer der 1. Kl. Dies würde die Bahn nichts kosten und dazu noch mehr Platz in der Zweiten schaffen, indem einige Premium-Kunden die ohnehin im NV meist leere Erste belegen dürfen. Wäre auch ausführbar durch Anbringen von Aufklebern “oder Bahn.Comfort” mit kleingedrucktem “sofern Plätze verfügbar sind” neben den Einsern in Kategorie C.

– Eine eindeutigere Markierung der Bahn.Comfort-Plätze und der Hinweis bei der Fahrscheinkontrolle an dort sitzende Kunden “ohne”, daß sie ggf. Fahrgästen “mit” weichen müssen. Im Handbuch der Zugbegleiter ist dieser Hinweis angewiesen, aber ich habe eine solche Äußerung noch nie vernommen. Eine sehr gute Möglichkeit wurde letztens sporadisch beobachtet; in den Displays über den Bahn.Comfort-Plätzen stand eine fiktive Reservierung für den gesamten Zuglauf. Das Wort “Reserviert” nehmen platzsuchende Fahrgäste offenbar als Hindernis eher wahr als das ihnen womöglich unbekannte Wortgebilde “Bahn.Comfort” :-)

Ganz allgemein habe ich den Eindruck, daß die BC100 in der Wahrnehmung bei der Bahn noch nicht wirklich auch als Auto-Ersatz für Privatpersonen bzw. Familien angekommen ist, sondern immer noch hauptsächlich auf das Geschäftskundensegment abzielt. Dabei hat diese Karte definitiv das Zeug dazu, bei gewissen Konstellationen aus Wohn- und Arbeitsort die optimale Mobilitätslösung zu sein!

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14 Antworten auf BahnCard 100

  1. Oh ja, die (durchaus ggfs. mit akzeptablen Mehrkosten verbundene) Freigabe der ersten Klasse für die BC100 2. Kl. in der Kategorie C wäre durchaus was.

    Was ich gerade gefunden habe: die Österreicher kriegen es ja u.a. hin, ihre Österreich-Card (das ÖBB-Pendant zu unserer BC100) als Familienkarte zu verkaufen, die nur wenig teurer ist, als eine Karte für eine Person. Warum kriegt man das hierzulande nicht hin?

  2. Eine Option auf 1. Klasse ist utopisch, mit einem Schlag würde niemand mehr eine BC 100 First kaufen. Dass es dort rappelvoll ist, ist selten. Und genau das ist der Grund, 1. Klasse zu fahren. Nicht nur, dass der Sitz breiter ist – in 80% der Fälle ist auch der Nachbarsitz frei (hängt natürlich vom Zeitpunkt und der Strecke der Fahrt ab).

    Ich fahre BC100 First und mir reicht schon der bahn.comfort-Quatsch. Wer glaubt denn, dass BC100-Kunden dann im Zweifel auf den Sitzplatz verzichten würden, wenn es in der ersten Klasse am Freitag zwischen Frankfurt und München wirklich mal voll wird…

  3. Ich habe mich da vielleicht bissl unklar ausgedrückt; es ging mir rein um eine bedingte Freigabe im Nahverkehr. Da wird in der Ersten meist viel Luft spazierengefahren.

  4. In welchen Landeshauptstädten gilt die BahnCard 100 denn nicht im Citybereich?

  5. Schwerin :-)

    rootLogin sagt:

    Die sollen sich mal ein Beispiel an unserem GA (Generalabonnement) nehmen. Bei uns gilt das nämlich im ganzen ÖV =) Egal wo du bist. Nur auf wenigen touristischen Strecken, die nicht zur Erschliessung von Orten dienen, zahlt man entweder 5 Fr. Aufschlag (PostAuto) oder kriegst nur 50%. Sogar bei vielen Bergbahnen kriegt man 50% auf die Skitageskarte und so.

    Klassenwechsel ist auch zuschlagsfrei möglich, entweder als streckenbezogener Klassenwechsel oder Tagesklassenwechsel. Gibt sogar einen Monatsklassenwechsel.

  6. Ein paar Wünsche / Vorschläge von mir…
    Aktuell gibt es die …BahnCard 25 als kostenlose Zugabe für Lebenspartner und Kinder wenn man im gleichen Haushalt gemeldet ist.
    Warum nicht dahingehend erweitern, das jeder eine BahnCard 25 Gratis dazu bekommt, für eine Person der Wahl… Es soll Lebensgemeinschaften geben, die nicht zwingend im gleichen Haushalt Leben oder Kinder haben. Das wäre eine Gleichbehandlung aller Kunden.
    – Alternativ habe ich die Idee, das man die Möglichkeit bekommt mit der BC100 z.B. am Wochenende
    *eine Person Kostenlos mit auf Reisen zu nehmen
    oder
    *ein Mitreisender immer 50% Rabatt bekommt
    oder
    *eine Person für einen günstigen Pauschalpreis mitreisen kann.

  7. Meine Erfahrungen mit den bahn.comfort Sitzplätzen…

    ich habe noch nicht erlebt, das ein Comfort Kunde wirklich einen Sitzplatz erhalten hat. Ist es in den Zügen richtig voll, kommt in den Bereich idr. auch kein Personal mehr durch.
    Das letzte mal als ich im ICE auf dem Gang stehen musste, hat der Mitarbeiter mir angeboten das ich mich in die 1.Klasse setzen kann. Dort war es an dem Tag recht leer. Mir ist klar das es dafür keine feste Regelung geben kann und erst recht keinen Anspruch, aber ich finde es gut, wenn sich das Personal den bahn.comfort Kunden entsprechend der Situation verhält.

  8. Moin,

    ja, diese Restriktion der Partnerkarte auf Familien mit Kind soll wegfallen oder ist es sogar schon, letztens habe ich eine Information gelesen, in der nur noch ganz allgemein von der kostenlosen Karte für den Partner die Rede war.

    So eine Mitnahmeoption fände ich eben auch sinnvoll, als BC100-Nutzer ist man ja auch Multiplikator. Alleine in der Firma ist die Zahl der Bahnfahrer schon gestiegen – weil jemand da ist (ich :-), den man auch mal fragen kann, wie etwas geht.

    Meine Erfahrung mit den BahnComfort-Plätzen ist gemischt. Seit ich weiß, daß viele ohne den Status sich da bewußt hinsetzen mit dem Motto “kommt ja eh nie einer”, spreche ich die Leute schon auch mal an und bitte sie, den Platz freizugeben. An sich eine blöde Situation, kann ja nicht mein Job sein, sowas zu kontrollieren, aber bei der erlebten Dreistigkeit der Leute stumpft man da ein wenig ab.

  9. Die BC100 hört sich je erstmal ganz gut an.
    Aber ob sich das auch nur ansatzweise rentiert, muß wohl jeder für sich selbst ausrechnen. 3500 Euro bei Einmahlzahlung sind kein Pappenstiel.
    Bei nichtmal 10000km pro Jahr mit dem Auto (inkl. Urlaubsfahrten) müßte ich oft zusätzlich mit der Bahn fahren, um die Spritkosten zu übertreffen. Eventuelle Mitfahrer zahlen auf jeden Fall etwas.
    Das Auto bräuchte ich so oder so.
    Keine Bahncard ist derzeit eine Alternative für mich, auf die Arbeit geht es täglich mit dem Fahrrad (21km, von Haustür zu Haustür bin ich schneller als mit der Bahn … ;-) ).
    Für gelegentliche Bahnfahrten tut’s ein Sparpreis auch.

  10. Hallo und guten Morgen :).

    Hat von Euch schon mal jemand die Erstattung von 10 Euro von der Bahn bekommen, weil ein Fernverkehrszug keine 1. Klasse dabei hatte (betrifft nur BC 100 first Inhaber). An wen habt Ihr Euch gewendet?

  11. Moin,

    sorry, da muß ich passen, als Zweitklassler. Jedenfalls sollte die normale hotline das wissen, ansonsten kann ich auch gerne mal anderweitig nachfragen…

    Armin Ehrbar sagt:

    Moin!

    Deine Kritiken möcht ich mal erweitern:

    – Angabe von Sonderfahrkarten (Schwerbehindertenausweis, Kriegsbeschädigt [Nutzung 1. Kl. mit 2. Kl. Fahrkarte], Regionalkarten [Schleswig-Holstein Ticket, Brandenburg Karte, etc.]), damit die Preisangabe *wirklich* korrekt ist

    – Mögliche Aufpreismöglichkeiten bei dem gewählten Zugverbindung auf einem Blick – z.Z. muß man jede Möglichkeit oder Zugartveränderung einzeln durchspielen und ggf. ausdrucken – bei Automaten nicht mein Papier :-))

    – Sinnvolle Vorschläge falls verschiedene Zugläufe möglich sind (z.B. bei HAM ->MUC)

    – Freigabe von den First Class Lounges für Menschen mit Schwerbehinderten-ausweisen ab 80% bzw. ab aG, Bl; ggf. auch für Begleitung

    – Bahnpersonal, was auch *IM* Zug Reisehilfe geben kann – nicht jeder reist mit Lappi o. ähn.

    BTW: Sag mal früh Bescheid, wenn Du mal wieder in Hamburg bist :-))

  12. BahnComfort-Plätze mit Reservierungen? Das ist nicht fiktiv sondern teilweise traurige Wirklichkeit. Angeblich würde da nur BahnComfort-Kunden sitzen – aber in Wirklichkeit sind des (meiner Beobachtung nach) v.a. Rail&Fly und ähnliche Zubringer-Karten. So genau konnte mir das noch keiner sagen. Interessanterweise gibt es da einen Zusammenhang: In dem Zug gibt es dann kein ausgewiesenes Schwerbehinderten-Abteil.

    Beobachtet bei einem normalen ICE und regelmäßig bei einem ICE, der dann ab Frankfurt zum “Sprinter” wird, bis dorthin aber eigentlich ein normaler ICE ist.

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