20140815

Was in Edinburgh ziemlich schräg ist, das ist der Nahverkehr. Busse gibt es in rauher Menge, aber keinen Verkehrsverbund, das Ticket gilt also nur in dem Busnetz, in dessen Bus es gekauft wurde. In den Bussen keinerlei Ansagen oder Anzeigen, was der nächste Halt ist, auch die Schilder mit Haltestellennamen sind sehr dezent gehalten. Ohne Ortskenntnis nahezu unbenutzbar, nur Google maps rettet einem ein wenig den Tag, man hockt halt im Bus und start aufs Telephon, um zu sehen, wo man gerade ist, wo es sinnvoll wäre, wieder auszusteigen. Zwar wird überall das kostenlose WLAN in den Bussen angepriesen, funktioniert hat es jedoch nirgends.

Die Bahnfahrt nach Glasgow ist unspektakulär und erfolgt problemlos und nahezu pünktlich in schräg designten Dieseltriebwagen. In denen hat das WLAN gut funktioniert, allerdings wurde es auch kaum benutzt von den Mitreisenden. Absolut nervig ist das Getue mit den Bahnsteigsperren, rein nur mit Ticket vorzeigen, raus genauso – eilig darf man es da nicht haben. Und bei der Gepäckaufbewahrung in Glasgow werden vor Abgabe mit absoluter Selbstverständlichkeit die Reisetaschen durchwühlt. Sind schon etwas paranoid, die Jungs hier.

Auch in Glasgow ist es schön, wenn auch nicht so spektakulär wie Edinburgh, dazu ist der auf der Insel offenbare leichte Hang zur Verwahrlosung etwas ausgeprägter. Annähernd alle Gebäude sind irgendwo ein wenig angegammelt und am dezenten Verrotten, nie so schlimm, daß es abbruchreif wirkt, aber doch sieht das alles nach Handlungsbedarf in Sachen Renovierung aus.

Bei der Fahrt zum House of an art lover, einem herrlichen Jugendstilbau, nutzen wir die U-Bahn. Auch hier wieder das Getue mit den Bahnsteigsperren. Die U-Bahn ist ein ziemlich kurioses Gefährt, aufgrund des geringen Tunnelquerschnitts sind die Fahrzeuge innen nicht gerade geräumig. Die oft etwas wacklige Fahrweise parodieren die Verkehsbetriebe selbst in ihren Plakaten :-)

Sehr lohnend ist auch der Marsch auf den Necropolis-Hügel. Viele prächtige Grabmale an einem einmaligen Ort mit Sicht auf nahezu die ganze Stadt. Beim Blick auf das alte Krankenhaus geht die Kathedrale fast ein wenig unter, dabei ist die auch schon riesig.

Und wie es der Zufall will, ist auch jemand aus der debx-Truppe gerade auf UK-Rundreise, also treffen wir uns auf ein Bierchen und einen Schnack in einem Pub gleich neben dem Bahnhof.

Die Rückfahrt ist zunächst etwas unsicher, da es zu einigen Ausfällen und Verspätungen wegen einer Betriebsstörung kommt, doch mit nur kleiner Verspätung wird unser Zug bereitgestellt. Problemlos kommen wir nach Crianlarich, einem kleinen Kaff mitten im Nirgendwo, wo unsere nächste Übernachtung ansteht. Viel mehr als Übernachten tun wir da nicht, viel mehr ist auch nicht möglich.

Kategorie(n): Bahnerlebnisse
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4 Antworten auf 20140815

    Ferdinand Genser sagt:

    Vielen Dank für den schönen Reisebericht. Einige Fotostandorte unserer Reisen haben wir wiedererkannt ….
    Interessiert hätte uns ein Eindruck von der mit jahrelanger Verspätung und Verkürzung nun doch im Mai 2014 eröffneten Strassenbahn in Edinburgh. Gibts da etwas zu erzählen?

    Liebe Grüße
    Ferdinand Genser

  1. Moin,

    die StraB ist gefahren, moderne, saubere Fahrzeuge, WiFi, alles fein. Selber gefahren sind wir damit nicht, da die eine Linie für uns nicht passend fuhr, und da eh die Zeit knapp war. Jedenfalls waren die Busse oft genug knackevoll, in der StraB war eher wenig an Fahrgästen zu sehen. Entweder ist die Verbindung nicht so wichtig für die Leut’, oder sie wird noch nicht so akzeptiert. Doof eben, daß es keinen richtigen Verkehrsverbund gibt, immerhin scheint die StraB mit einem der Busunternehmen in einem Verbund zu stehen, sonst ist aber der Markt offen…

  2. Ist die Glasgower Metro noch kleiner / enger wie die in London? Die ist ja eigentlich schon nichts für Leute über 1,70m.

    Die Glasgower Metro ist aber wohl seit je her schon Kurios.
    In der Anfangszeit war das eine “Kabelbahn im Kreis” und auch die Spurweite ist mit 1219mm etwas anders.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Glasgow_Subway

    Aber etwas anders zu sein ist auf der Insel normal :-)

  3. Mit fehlt zu London der Vergleich, aber das Ding in Glasgow würde ich als grenzwertig sehen, kleiner ist wohl kaum praktikabel. Hat eher was von einer der Gartenschaubahnen, die man so kennt, und die nach der Schau meist wieder abgebaut werden.

    Übrigens Papiertickets mit RFID-Chip drin, man scheut keine Kosten :) Aber die haben’s ja anscheinend eh, was da Personal an den Stationen ist?!

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