20190804

Auch nach Amberg fährt man mit dem flügelnden 612er, ähnlich wie gestern, nur starten wir zu etwas zivilerer Zeit am frühen Mittag.

Fast pünktlich kommen wir an und spazieren erst mal in Richtung Stadt, für einen Mittagshappen, und ein paar Schritte durch die Innenstadt.

Danach nehmen wir einen Bus raus an den Stadtrand, wo wir das Glaswerk besuchen und an einer Führung teilnehmen. Dabei handelt es sich um den letzten Bau von Walter Gropius vor dessen Tod – einer Fabrik zur Glasherstellung, vor allem Trinkgläser und Schmuckgläser. Aufgebaut wurde das Ganze durch Philip Rosenthal, der zu seinem hochwertigen Porzellan auch entsprechende Gläser fertigen wollte und durch Fachleute vor Ort und funktionierende Rohstofflogistik Amberg als hervorragend geeignet ansah. Also kaufte Rosenthal das Amberger Glaswerk und plante, das bestehende eher einfache Werk grundlegend zu erneuern.

So wurde also wirklich dieser herrliche kathedralenartige Bau hingestellt und 1970 eröffnet, leider erst kurz nach Gropius’ Tod. Dabei lief im Altbau die Produktion weiter, dann zog diese in den halbfertigen Neubau um, der Altbau wurde abgerissen und der restliche Neubau da drübergebaut. Natürlich wurde die alte Bauhaustradition “form follows function” beibehalten, im linken Flachbau erfolgte die Vorbereitung, in der “Kathedrale” war der heiße Bereich, in dem die Gläser gefertigt wurden, die Gänge zum rechten Flachbau dienten als Kühlstraßen, und letztlich wurden die Gläser nachbearbeitet, geprüft und zum Versand verpackt, welcher per LKW oder Bahnanbindung erfolgen konnte.

Die Form des optisch dominierenden Mittelbaus hatte natürlich auch eine Funktion – die Bauform sorgte für eine entsprechende Luftzirkulation, um die heiße Luft nach oben abzuführen. Auch war Gropius wie Rosenthal daran gelegen, daß es den Arbeitern gut ging. So gab es ordentliche Sozialräume und eine Kantine, viel Glas sollte für die Sicht nach draußen sorgen, und in den Freiflächen zwischen den Gebäudeteilen gab es viel Grün und Obstbäume. Außerdem wurden die Flachbauten durch Anschütten künstlicher Böschungen noch besser in die Landschaft integriert, sie wirken dadurch fast wie in die Erde eingelassen.

Zurück zum Bahnhof kommen wir wieder mit dem Bus, trinken noch kurz was am Bahnhof und nehmen dann den Zug zurück nach Nürnberg, der auch pünktlich einläuft.

Leider sammeln wir in Neukirchen ordentlich Verspätung, weil einfach der zweite Zugteil nicht auftauchen mag.

Letztlich kommt dieser mit derart viel Elan angeschossen, daß er uns beim Kuppeln ein gutes Stück nach vornen versetzt! So habe ich das noch nicht erlebt, und im Abteil kommen erste Zweifel auf, ob wir heute überhaupt noch irgendwohin fahren. Aber nach ein paar Gedenkminuten kommen wir tatsächlich mit +15 weg. Offenbar kann die Karre das ab, und sollte der hintere Teil unterwegs wieder abfallen – uns kann’s egal sein :)

So kommen wir wieder gut in Fürth an.

Kategorie(n): Bahnerlebnisse

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